label: yo mama

producers: stylewarz, tobitob, eissfeldt 65, bonzen bros, w. stach, p.i.t.a., fünf sterne deluxe, ferris mc.

guests: afrob, pain in the ass, tobi tobsen, stylewarz
year of release: 2001
website: ferrismc.de
rating
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tracklisting
1. Intro
2. Fertich!
3. Wie Ist Mein Name?
4. Freaks, Asis Und Mongos
5. Alles Für Nix
6. Kettensägenmassaker
7. Return Of Reimemonster (Rockmonster RMX) feat. Afrob
8. Take Your Chance (Viel Zu Spät)
9. Flash For Ferris MC
10. Ohne Dich
11. Das Kann Uns Nicht Passiern'n feat. Pain In The Ass
12. Who The Fuck Is Bonzen Bros? feat. Tobi Tobsen
13. Hartdumm An Jedem Datum
14. Es Geht Weiter
15. Traurig Aber Wahr
16. Lasst Mich Raus feat. Sleepwalker
17. MC

 

Fertich!

Den Fortschritt einer Hip Hop Szene lässt sich auch daran erkennen, wie sehr sich die einzelnen Künstler spezialisieren. Denn zu Beginn machen alle so in etwa das Gleiche, und eine Segmentierung findet nur mit der Zeit statt. Wenn also Ferris MC sich eine Nische als brachial Rapper zurechtlegt, das der Rolle des deutschen Necro enspricht, dann wissen wir, dass die Deutsche Hip Hop Welt den Baby Schuhen entwachsen ist, und die Diagnose stellt auch ein einwandfreies Gesundheitszeugnis aus. Doch wenn sich ein Arzt um den Geisteszustand von Ferris MC, zuwenden würde, dann wäre der Griff zu Pillen oder Zwangsjacke unausweichlich. Denn so hat sich Ferris nun vollständig dem auf Gräber pissen Image zugewandt, und auf "Fertich!" frisst er jeden Tag wie rohes Fleisch. Das klingt dann manchmal so arg überzogen, dass es die Comic Übertreibung vermissen lässt. Dazu hören wir siebzehn Tracks die mit allerlei Talkshow ‚piep' Material vollgestopft sind.

Was jedoch niemand dem Ferris nehmen kann ist die Intensität welche er auf seine Tracks bannt. Damit überrollt er den Raum, und der Track klingt automatisch nach mehr. So zum Beispiel auch die Kombination von "Intro" und "Fertich!", wobei das Erstere von Stylewarz und das Zweite von Tobitob produziert wurde. Da wird der Chorus dann geschrien und Ferris meint: "Gib mir alles oder nichts jetzt oder nie, für Tracks wie Erdbeben / ausserdem Schock ich mit 'ner Optik voll Erbschäden". Das bereits angesprochene "Kettensägemassaker" kommt dann wie ein Hörspiel, und Ferris schwingt die Säge gegen die 'weiblichen Frauen' des amerikanischen Hip Hop, der gemäss ihm so schlecht ist, dass drastische Mittel gerechtfertigt sind. "Kann Uns Nicht Passier'n" ist dann zweispurig, dass einerseits die Sache ruhig kommt, dann aber doch wieder in den Gitarrenklängen (von Pain In The Ass) sich aufbauscht.

Weiter stellt Ferris sicher dass Alice Schwarzer nie ein Autogramm von ihm möchte, in dem er Tracks wie "Alles Für Nix" aufnimmt. Hier wird den Frauen das Fell über die Ohren gezogen, und das könnt ihr Euch vorstellen wie ihr wollt. Was dann mit "Ohne Dich" klingt wie ein Liebeslied, ist auch ein solches, aber nicht für jemanden mit ‚viel Pudding unter der Bluse' (wie das Ferris nennt), sondern für die Pflanze die von den Bonzen Bro$ gerne inhaliert wird. Dafür entkratzt Ferris sogar seine Stimme, die normalerweise wie schlecht sitzende Unterhosen daher kommt, und er singt der Liebe ein Ständchen. In wahrer Geschichtenerzähler Tradition kommt "Lasst Mich Raus!", wo Ferris versucht aus einer Anstalt zu fliehen, und Sleepwalker kommt zur Hilfe, wobei die Hilfe so Unvorteilhaft ist, wie das Verkaufen deiner Seele. Stylewarz hat auch den Beat produziert, der wiederum durch Hörspielqualitäten überzeugt.

Ironischer kommt "Wie Ist Mein Name?", da Eissfeldt 65 etwas lupfiges hinter die weiterhin rauchigen Reime packt. Doch was etwas lächerlich klingt, ist wenn Ferris auf ignorant macht, etwas das auch "Hartdumm An Jedem Datum" nur gerade dümmlich macht. Dagegen kommt "Take Your Chance (Viel Zu Spät)" schon fast reflektieren und nachdenklich, nicht nur durch den eher smoothen Beat. Wieder was zum Schütteln ist "Who The Fuck Is Bonzen Bro$", mit Tobsen, der auch den Beat zusammengebastelt hat. Das kommt dann irgendwie Samba mässig daher.

Es gibt eine Zweitauflage mit "Return Of Reimemonster (Rockmonster Remix)", dass wiederum mit Afrob aufgenommen wird, jedoch nicht so clubbig daherkommt. Dafür ist eine Panzerfaustgitarre die dir den Track in dein Ohr drückt. Das Original von "Reimemonster" war im Gegensatz dazu fast schon jiggy, und auch hier sorgt Ferris dafür dass er Tracks hat welche die Menge bewegen kann. Und so ist "Freaks, Asis und Mongos" ein Track der mit dem drückenden Gedanken des Live Konzertes geschrieben wurde. Ausserdem ist auch "Flash For Ferris MC" zum bouncen, und dieser Track der auch gleich die Single ist, kommt mit mehr regelkonformen Battle Reimen.

Auch der letzte Track "MC" kommt korrekt, was uns dann abschliessend feststellen lässt, dass Ferris mit grosser Motivation auf eine Stelle schlägt. Dass macht er auch gut, trifft er diese auch des öfteren. Dass wir uns aber eine tote Ratte im Cover ansehen müssen, ist wiederum eine Überspitzung eines Styles der ganz unterhaltend sein kann, aber trotzdem unnötig. Und so könnten wir der Scheibe den künstlerischen Anspruch absprechen, aber darum schert sich Ferris ja 'eh nicht. Also scheiss drauf, was auch immer gerade zur Hand ist. Leb Dein Assitum aus, und find in diesem Album Deinen Soundtrack.

review: tadah

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