label: indigo
producer: flip, oh-vo
guests: pahel/rag, oh-vo/brotlose kunst, mutter laima, peter lang/shy, def ill
year of release: 2002
website: texta.at
rating
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tracklisting
1. Text vs. Autor vs. Hörer
2. Unterwegs
3. Bist du sicher?
4. Verdächtig
5. Wer? feat. Pahel/Rag
6. Plastikrap
7. Blickkontakt
8. Kraut interlude
9. Laima's Religion feat. Mama Laima
10. Kanten
11. Rampenlicht
12. Soul interlude I
13. Casino feat. Peter Lang/Shy
14. Selbstinterview
15. Soul interlude II
16. Verstanden feat. Def Ill
17. Auf Wiedersehen

 

Blickwinkel

Hinweis zur Benutzung:
Nehmen Sie den Tonträger aus der Hülle und legen ihn vorsichtig in den Walkman. Setzen Sie die Kopfhörer auf und drücken Sie die Taste 'Play'. Die Art des Fortbewegungsmittels, das Sie nun benützen, spielt nicht so sehr eine Rolle, eher, dass es sich mit einiger Geschwindigkeit fortbewegt. Entspannen Sie sich, lassen Sie die Bilder an sich vorbeiziehen und nehmen Sie die Eindrücke auf.

Besonderes:
1) Zum Einstieg eignet sich Nr.2 ("Unterwegs"), Fortgeschrittene wählen Nr.7 ("Blickkontakt")
2) Ändern Sie zu gegebenem Zeitpunkt den Blickwinkel.
3) Verschiedene Einstellungen führen zu besseren Ergebnissen.

Schon vor einiger Zeit, genauer vor neun Jahren, ging über Linz die Sonne auf. Seitdem hocken fünf Jungs im lichten Gras, auf dem der Tau allmählich trocknet und brüten. Von Zeit zu Zeit begeben sie sich in geschlossene Räume, suchen in muffigen Ecken nach dem Licht der Erkenntnis, das noch eben so hell leuchtete, und -das Wichtigste- backen uns alle paar Jahre eine leckere Torte, die Spezialität ihrer Heimat. Blickwinkel ist nun die vierte dieser Art. Nachdem die Trilogie "geschmeidig"-"gediegen"-"gegenüber" 1999 abgeschlossen war, mochte sich manch einer gefragt haben, was da noch kommen konnte. Wie löst man sich aus einem geschlossenen Kreis? Nur durch eine List, die da wäre, den Kreis grösser ziehen, (noch) mehr verschiedene Sichtweisen einbringen, Bestehendes aufgreifen und erweitern. So gesehen bringt Blickwinkel keinen Neuanfang sondern fügt sich nahtlos in das bereits bestehende Werk. Solide und fein gesponnen präsentieren sich auch diesmal die Tracks, kein Einheitsbrei und trotzdem unverkennbar Texta.

Offene Fragen sind, wie es scheint, nicht weniger geworden. Doch auch 2002 geben Texta nicht vor, die Antworten zu wissen - nur all-mighty Laima kanns nicht lassen:... "Der Kreislauf, der begann von vorn/ denn egal was passiert, es ist das Wesen jedes Lebens, dass es weiter existiert/ und das was ihr Gott nennt, das nenn ich Humor/ und er ist so gross und mächtig ja, er brachte sogar mich hervor/ ich gepaart mit ihm hatte folgende Konsequenz/ als ich den ersten Witz erzählen wollt entstand aus ihm der Mensch". ("Laima's Religion". Abgesehen von solchen Höhenflügen dominiert aber nach wie vor das "Wer?" ("wer weiss, was zählt, was stimmt/ wer will, wer gibt, wer nimmt..."), der Blick hinter die Kulissen und das Grübeln über sich und die anderen und die Welt. Und die Gewissheit, dass nichts sicher ist. Wer Texta kennt, weiss, die Suche nach Wahrheit ist anstrengend und Erkenntnis kommt auch nicht in 6 minuten und 1 sekunde ("Kanten")- was bleibt sind Geschichten. Und darin waren die Linzer schon Meister als noch der erste Sonnenstrahl über den Berg blinzelte.

Flip's Beats bieten noch immer, was das Kopfnickerherz begehrt, stilistische Feinheiten gehören ebenso zum Programm wie der Flow aus reinstem kaiserlich-königlichem Quellwasser. Vielleicht sind Texta etwas ruhiger geworden. Das Rezept wurde um einige Zutaten, sprich Instrumente, erweitert, neu zieren auch instumental-skits ("Soul Interlude I" und "Soul Interlude II") das Gebäck. Ob von nun an live Instrumente den Ton angeben werden, oder das laid-back Reggaegesäusel des "Mühlviertler Kraut" (für jene, die sich bei den "ain't no sunshine"-Eskapaden auf der "Kaleidoskop" schon halb tot gelacht haben, keine Neuheit), liegt im Dunkeln. Sicher ist nur, was schon immer klar war: "Wir konversieren, konzentrieren, konvertieren Fans von der Konkurrenz/ kontrollieren, komprimieren, kombinieren mit letzter Konsequenz/ konservieren Kontakte, komponieren mit Common Sense, kontern mit Konzepten, Konstanz und Kompetenz /Statt Trends und Hypes schreiben wir Zeilen, die was bedeuten..." ("Rampenlicht")

Was ausserdem bleibt, ist die Erkenntnis (wenigstens eine), dass die 99er Meisterkreation "gegenüber" weder im Aussehen noch im Geschmack übertroffen werden konnte. Auch einmal mehr die Frage, was danach noch kommen mag. Doch lassen wir für den Moment die Zweifel sein, denn wir wissen: wenn alle Stricke reissen, Texta bleibt gut. Darum, Jungs und Mädchen, setzt eure Kopfhörer auf und lasst euch treiben.

review: denise

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